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Polonaise h-Moll op.4 für Violine und Klavier

Die 1897 entstandene Polonaise h-Moll op.4 zeigt Schumann in seinem jugendlichen Elan. Mit seinen 25 Jahren schreibt er ein Virtuosenstück, das seinesgleichen sucht. An Paganini oder Wieniawski erinnernd fliegen die Oktaven, Doppelgriffe und Arpeggien nur so daher. Geigerisch vollendet und musikalisch voller Charme ist das ein Stück, was man als Zugabe kaum noch besser anbieten kann.



Die Violinsonaten

Camillo Schumann hinterläßt 5 Violinsonaten: Nr.1 F-Dur WoO, Nr.2 d-Moll op.40a, Nr.3 a-Moll op.78, Nr.4 A-Dur op.124 und Nr.5 F-Dur op.151. Bemerkenswert ist die Chronologie dieser Sonaten. Das Werkverzeichnis beginnt bereits mit der zweiten Sonate op.40a. Wir finden unter den Werken ohne Opusnummern (WoO) eine weitere Violinsonate in F-Dur ohne Entstehungsangabe. Es ist anzunehmen, daß Camillo Schumann sie nicht für gut genug befand, um sie in die opus-Nummern aufzunehmen. Da aber bereits die Nummerierung der Sonaten im Werkverzeichnis vorgegeben ist, lässt sich daraus schließen, daß es sich um die erste Violinsonate handelt.

Sonate Nr.1 F-Dur WoO für Klavier und Violine

Die Entstehungszeit dieser Sonate liegt sehr im Dunkeln. Wir wissen jedoch, dass sie vor 1892 geschrieben worden sein muß. Im Werkverzeichnis ist vor 1891 kein kammermusikalisches Werk zu finden, so dass man zumindest annehmen kann, dass es sich um eines der ersten Stücke für ein Solo-Instrument mit Klavier handelt. Mit noch nicht ganz 20 Jahren schreibt Schumann eine Sonate, die zunächst von der Länge her kaum von den übrigen vier Sonaten abweicht, obwohl sie als einzige der fünf Sonaten nur dreisätzig angelegt ist. Die sehr unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Sätze, verbunden mit manchen sehr unbekümmerten Anlehnungen an schon da gewesene Komponisten wie Schubert, Mendelssohn und Brahms, lassen diese Komposition stilistisch noch nicht sehr ausgegoren erscheinen. Das wird mit Sicherheit auch Schumann erkannt haben, und sie deshalb auch vernachlässigt haben. Jedoch ist bei allem, was man kritisieren könnte, eines auffällig: und das ist die innere Geschlossenheit und die wie aus einem Guss gestaltete Form. Die Sonate ist sicherlich nicht qualitativ so hochwertig wie die Sonaten 3, 4 und 5, hinterläßt aber in all ihrem Ideenreichtum ein hochinteressanten und faszinierenden Eindruck.



Sonate Nr.2 d-Moll op.40a für Klavier und Violine

Die 1892 geschriebene d-Moll Sonate hat eine Besonderheit im Werkverzeichnis. Sie trägt dieselbe opus-Zahl wie die 5.Orgelsonate. Schumann hat nachträglich die Opusnummer der Violinsonate gestrichen, aber später wieder eingefügt, wahrscheinlich ohne zu bemerken, daß op.40 schon vergeben war. Die Entstehungszeit dieser Sonate passt auch mit Sicherheit nicht in den op.40-Bereich, denn alle Werke um die op.40 sind in den Jahren 1907-10 entstanden. Sie ist entsprechend der Entstehungszeit weit vor op.1 anzusiedeln, also noch viel früher als die h-Moll Polonaise op.4. Um nun Mißverständnisse zu vermeiden, halte ich es für sinnvoll, die Sonate mit op.40a zu registrieren, da auch die 5.Orgelsonate mit op.40 schon im Handel ist und das auch sicherlich chronlogisch richtig ist.
Man merkt dieser Sonate auch eine großartige jugendliche Frische an, voller Spielfreude und Temperament. Mit seinen 20 Jahren schreibt er ein Werk voller Unbefangenheit und virtuoser Machart. Der zweite langsame Satz gehört wohl zu dem Schönsten, was Schumann hinterlassen hat. Das ist eine Melodienseligkeit, daß es einem die Tränen in die Augen treibt. Der verspielte letzte Satz weckt Erinnerung an die Werke Moszkowskis; jener Werke, die man ungerechterweise so oft als „Salonmusik“ abhandelt.
Dieser Stil passt aber genau in diese Zeit: unbeschreiblich virtuos, nobel und ungeheuer charmant. Dieses Werk wird mit Sicherheit vielen im Konzertsaal richtig Freude machen.



Sonate Nr.3 a-Moll op.78 für Klavier und Violine

Die dritte Violinsonate schrieb Schumann um 1907, also 15 Jahre später als die zweite Sonate. Innerhalb dieser Jahre hat Schumann eine enorme Entwicklung gemacht. Diese große Sonate ist nicht nur von ihrem Umfang her groß, sondern zeigt auch enorme musikalische Tiefgänge auf. Diese Sonate erinnert sehr an den Stil seines Namensvetters Robert Schumann, gepaart mit der Lyrik eines Franz Schubert. Sie ist von der Komposition her symphonisch durchgearbeitet, und hat eine groß angelegte dynamische Klangwelt. Sie gehört mit zu dem Besten, was Schumann hinterlassen hat. – Der erste Satz hat größtenteils lyrischen Charakter und steckt voller Poesie. Violine und Klavier bilden hier eine Einheit, und verzaubern durch die Verwobenheit der thematischen Vorgänge. Der Satz endet voller Verträumtheit und Hingabe. Auch im zweiten Satz herrscht das lyrische Element natürlich vor. Stellenweise harmonisch ungeheuer kühn gestaltet er den thematischen Verlauf in musikalischer Vollendung. Nach dem überaus quirligen Scherzo im Presto-Tempo folgt eine Finale von enormer Virtuosität und Kraftentfaltung. Das burleske Thema zieht sofort den Zuhörer in seinen Bann. Der Satz entwickelt sich zu stürmischen und tosenden Ausbrüchen, bishin zur großen Stretta im Presto-Tempo. Hier kann man in jedem Takt nur den Atem anhalten und begeistert sein von solch einer kompositorischen Meisterleistung.


Sonate Nr.4 A-Dur op.124 für Klavier und Violine

Einige der berühmtesten Werke für Violine sind mit der Tonart A-Dur verbunden. Man denke nur an die wundervolle Sonate in A-Dur von Johannes Brahms oder das A-Dur Violinkonzert von Mozart. Zu Letzterem scheint sich Schumann in seiner 4.Sonate besonders hingezogen gefühlt zu haben. Was da an Gemeinsamkeiten zu Tage tritt, ist verblüffend. Zunächst einmal ist auffällig, dass die Themen sehr schlicht gehalten sind, und keine überschwänglichen Charaktere besitzen. Sicherlich ist die Klangwelt eines Camillo Schumann nicht die eines Mozarts. Aber die durchweg Mozart nahe Behandlung und Gestaltung der thematischen und musikalischen Vorgänge macht diese Sonate zu einer Besonderheit. – Der 3.Satz ist eigentlich der Mozart-Typischste. Die leichte Beschwingtheit dieses Scherzos hat eine so Mozart ähnliche Substanz, dass man es schier mit einem seiner Menuette vergleichen könnte. Fast ungeheuerlich ist die Wahl des Themas des zweiten Satzes. Was wir da hören, ist die wortwörtliche Übernahme des Themas des „Lacrimosa“ aus Mozarts Requiem. Das ist ein Geniestreich besonderer Couleur.
Diese doch sehr stark an Mozart angelehnte Adaption machte diese Sonate zu einem einzigartigen und klanglich bezaubernden Stück Musik, die in der Violinliteratur seinesgleichen sucht..



Sonate Nr.5 F-Dur op.151 für Klavier und Violine

Die 1918 geschriebene Sonate in F-Dur ist von allen 5 Sonaten die zeitgemäßeste. Sie steht voll im Zenit der großen Salonkompositionen ihrer Zeit. Sie ist voller überschwänglicher Gefühlswelten, und verbreitet in jedem Moment den Duft der großen Salons. Hier zieht Schumann gleich mit all seinen berühmten Zeitgenossen wie Moszkowski, Paderewski, Leschetitzky und wie sie alle heißen. Die Musik sprüht wie ein Feuerwerk, voll von elegantester Noblesse und bezauberndstem Charme. –
Der Kopfsatz , übrigens wie alle, außer der 1.Sonate, im 6/8-Takt, geht mit ungeheurem Temperament einher und ist reich an effektvollen Momenten. Der zweite Satz in Des-Dur hat die so typische Melodienseligkeit von Camillo Schumann. Wieder einmal zeigt er hier eine seiner gefühlvollsten Seiten, und überschüttet den Zuhörer mit einer Fülle klanglich schönster Momente. Dieser Satz gehört mit zu dem Edelsten, was Schumann hervorgebracht hat. Sehr originell ist der 3.Satz angelegt: ein Scherzo im 2/4-Takt. Man wird hier sehr an die Humoreske seines Namensvetters Robert Schumann erinnert. Der Satz sprüht voller Esprit und ist an Verve und Bravour nicht zu überbieten. Der 4. Satz zeigt wieder die ungeheure Virtuosität der großen Lisztschule auf. Geradezu hinreißend spielen sich Violine und Klavier die Motive zu. Das Seitenthema der Violine ist gespickt mit schwierigen Tonrepetitionen, die das Klavier motivisch übernimmt und dem ganzen ungezügeltes Temperament verleiht. Der Satz schließt mit atemberaubendem Feuer, und zieht den Zuhörer unmittelbar in den Bann. –
Von allen Sonaten ist die Fünfte die effektvollste und brillanteste. Sie besitzt das gleiche Kolorit wie die Werke der großen Virtuosen dieser Zeit. Die Musik ist in ihrem Überschwang sehr nahe an der Tonsprache Xaver Scharwenkas und macht diese Sonate zu einem großartigen Beispiel echter Salonmusik.


Sonate Nr.1 g-Moll op.59 für Klavier und Violoncello

Die erste Cello-Sonate op.59 ist ein Bravourstück par excellance. Das dreisätzige Werk hat ungestümen und leidenschaftlichen Charakter, wobei der letzte Satz dazu noch ungeheuer dramatisch einhergeht. Schumann beweist sich hier als gekonnter Symphoniker, indem er die Thematik so verknüpft, daß beide Instrumente durchaus gleichwertige Behandlung erfahren. Die hochvirtuose Technik, die dieses Werk verlangt, verleiht dieser Musik enormes Temperament und Esprit. Hier kommt Camillo Schumann sehr nahe an die Tonsprache Xaver Scharwenkas heran, der auch in seinen Violin- und Cellosonaten einen enorm virtuosen Klavierpart einsetzt, und beide bewußt den Werken den Titel „für Klavier und Violoncello“ verleihen. Camillo Schumanns erste Cellosonate steht in nichts den Werken seiner Zeitgenossen nach, und verdient unvoreingenommenen Respekt und Beachtung in der Konzertwelt.



Sonate Nr.2 c-Moll op.99 für Klavier und Violoncello

Die groß angelegte zweite Cellosonate besticht durch den immensen Einfluß von Johannes Brahms. Dieser Einfluß ist in vielen seiner Werken zu spüren, jedoch sehr ausgeprägt in dieser Sonate; vor allem, wenn man sie im Vergleich sieht mit den Brahm’schen Cellosonaten. Wir haben es hier mit einer durchaus dichterisch musiklischen Gestaltung zu tun, voller Poesie und tiefem Seelenleben. Es ist kein Werk puren Virtuosentums, viel mehr gestaltete Dramatik von tiefer, ernster Prägung. Jeden Satz hier einzeln zu beschreiben, würde zu weit gehen, denn von allen Streichersonaten ist diese eine der komplexesten in ihrer Komposition. Die thematischen und motivischen Verarbeitungen spielen sich gegenseitig vielfältig zu, erleben Steigerungen und Ruhepunkte und sind im dauernden Wandel in ihren Klangfarben. Dieses Stück ist fast orchestral gedacht, voller symphonischen Zusammenhänge und in der Konstruktion meisterhaft. Sie ist im Gegensatz zu allen anderen Werken Schumanns sehr dunkel in den Klangfarben, teilweise auch düster. Schumann schrieb sie um 1932, einer Zeit, in der die Nöte der Nachkriegszeit sehr auf ihn einwirkten.
Die c-Moll Sonate steht den Brahms-Sonaten in nichts nach. Sie ist ein großartiges Beispiel meisterhaft gekonnten Kompositionsstils, und ist in ihrer Gefühlswelt unbeschreiblich intensiv: Ein Meisterwerk von ungeheurem Rang.


Sonate Nr.3 D-Dur op.118a für Klavier und Violoncello

Die Sonate in D-Dur, wahrscheinlich 1938 komponiert, ist von den drei Cellosonaten die volkstümlichste und auch die am meisten lyrische. Von den 4 Sätzen sind die ersten drei in ziemlich mäßigen Tempi gehalten. Nur der vierte Satz zeigt wieder virtuose und schwungvolle Momente auf. Stilistisch werden wir hier sehr an die „Stücke im Volkston“ seines Namensvetters Robert Schumann erinnert. Wir haben es hier mit einem Werk zu tun, das, weit weg von jedem Virtuosentum, eine große Verklärtheit mit sich bringt, und große innere Ruhe ausstrahlt. Schumann schreibt mit seinen 66 Jahren hier eines seiner reifsten Werke.
Der moderate erste Satz beginnt mit einem schlichten, sehr volkstümlichen Thema. Das zweite Thema dagegen ist von traumhaft lyrischer und poetischer Natur. Im Laufe der musikalischen Entwicklung herrscht immer mehr das poetische Moment vor, und beendet diesen Satz voller Besinnlichkeit.
Der zweite Satz besticht durch eine enorm wandelbare Melodik. Immer wieder wird das wunderschöne Thema mit verschiedenen Begleitfiguren versehen, die dem Stück andauernd neue Klangfärbungen verleihen. Kompositorisch ist das eines der zauberhaftesten Momente in dieser Sonate.
In den meisten seiner Sonaten folgt jetzt das Scherzo, meist in sehr schnellen Tempi. Hier weicht er aber von seiner bisherigen Konzeption ab, und geht auf das klassische Menuett zurück. Das ist fast einzigartig in der formalen Kompositionskunst Schumanns, was wiederum auf die sehr lyrische Anlage dieser Sonate verweist.
Wer kennt nicht den „fröhlichen Landmann“ aus Robert Schumanns „Album für die Jugend“? Daran werden wir sofort erinnert, wenn wir den Beginn des 4. Satzes hören. Voller Unbefangenheit und mit großem Schwung geht dieses Stück einher, und stellt dem Zuhörer eine freudige Landszenerie vor Augen.


2 Konzertstücke op.20 für Violoncello und Klavier

Die beiden Konzertstücke sind um 1900 entstanden. Sie sind betitelt mit „Romanze“ und „Mazurka“. Eigentlich verbindet man ja mit diesen Titeln schlichte und formal kleinere Stücke. Was sie jedoch zu Konzertstücken macht, ist die doch sehr besondere und eigenständige Behandlung des Soloparts. Schumann macht aus dieser Form regelrechte Konzertsätze. Durchaus könnte man die beiden Stücke als 2. und 3.Sätze eines Solokonzertes ansehen. Der Solopart des Violoncello ist sehr konzertant ausgearbeitet, und formal sind beide Sätze entsprechend ausgeweitet. Man findet im Werkverzeichnis viele dieser „Konzertstücke“ für die unterschiedlichsten Besetzungen, sogar für Klavier solo.
Das schlichte Thema der Romanze wird im Verlauf oft mit unterschiedlicher Klavierbegleitung vorgeführt, und erhält dadurch eine sich immer wieder ändernde Klangfarbe. Das Stück wird unterbrochen von einem hochvirtuosen Mittelteil, der das Cello so richtig in den Vordergrund rückt. Im „Tempo risoluto ed energico“ herrschen große Akkorde, Doppelgriffe und schnell laufende Sechzehntel vor, die technisch hohe Anforderungen an den Interpreten stellen. Die Mazurka im Tempo „animato“ ist durchweg von virtuoser Prägung. Das ist ein Stück voller Energie und Feuer. Atemberaubende Sologänge des Cellos machen diesen Tanz zu einem mitreißenden Konzertstück: für das Podium wie geeignet.

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